Jan Milic Lochman Stipendium

Das Leiterehepaar des Studienhauses und der Vorstand des Vereins GLT planen ab 2013 ein Stipendium für eine Theologiestudentin oder einen Theologiestudent zu vergeben. Bei der Vergabe sollen Studierende berücksichtigt werden, die über wenig finanzielle Mittel verfügen und aus einer Kirche stammen, die mit der Ev. Ref. Kirche verbunden ist.

Mit der Gründung des Stipendiums möchten wir an den theologischen Lehrer, Ökumeniker und Rektor des Universitäts in Basel Jan Milic Lochman (1922-2004) erinnern, der internationale kirchliche Beziehungen nicht nur pflegte, sondern selbst seine frühen Jahre in Böhmen und Prag verbrachte. Während seiner über dreissigjährigen Basler Zeit galt sein theologisches Engagement der Lehre und dem Einstehen für die christliche Botschaft. Dies tat er im Einsatz für und mit der weltweiten Kirche und förderte so den Dialog und Verständnis verschiedener Kulturen und gesellschaftspolitischer Kontexte.

Basel ist seit jeher ein Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Ländern und Konfessionen Aufnahme finden. Die Stadt, das kirchliche Leben aber auch die Universität mit ihren Möglichkeiten pflegten und pflegen den internationalen Austausch.

Die Ev. Ref. Kirche Basel-Stadt, mit dem das Studienhaus in engem Kontakt steht, legt Wert auf Verbindungen zu verschiedenen Kirchen in allen Kontinenten und begrüsst das Vorhaben.

Finanzierung und Umsetzung: Das Studienleiterehepaar und der Vereinsvorstand haben die Absicht ein Jahresstipendium in Höhe von 6000.- Sfr. an eine Theologiestudentin oder einen Theologiestudenten zu vergeben.

Es werden Personen oder Institutionen gesucht, die bereit sind einen oder mehrere Monate zugunsten des Stipendiums zu übernehmen.

Stipendiatin Judit Boroka Bedö aus Siebenbürgen

Lochman-Stipendiatin    Judit Boroka Bedö.

 

Hier ist ihre Rede vom 22.10.2017 in der Dorfkirche Riehen, beim Benefizkonzert für das Lochman Stipendium:

Liebe Konzertbesuchende, liebe Musizierende, liebes Pfarrehepaar Holder,

Ich möchte Sie alle ganz herzlich begrüßen! Meine Name ist Judit- Boróka Bedő und ich bin die derzeitige Lochman-Stipendiatin des Theologischen Studienhauses in Riehen. Manche, die die beiden vorhergehenden Stipendiaten kennen, nennen mich István drei… Ich könnte mich daran gewöhnen, wenn es kein Männername wäre…

Zunächst möchte ich mich dafür bedanken, dass dieses Benefizkonzert stattfindet. Ich danke den Musikerinnen und Musikern, denen der gute Zweck des Konzerts am Herzen liegt, ich danke den Initiatoren Martina und Dan Holder, den Vorsitzenden des Lochmann-Stipendiums, und ich danke den vielen Menschen, die sich großzügig für die Existenz dieses Stipendiums einsetzten.

 Die Tatsache, dass es dieses Stipendium gibt, ist ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde von Riehen sich als Teil der weltweiten Kirche Christi sieht. Ich bin froh, dass ich als Stipendiatin diese Einheit erleben darf.

In meiner kurzen Ansprache möchte ich zu meiner theologischen Prägung ein paar Worte sagen, welche Umstände mich nach Basel geführt haben und was mich als junge Theologin beschäftigt.

Lediglich zwei ungarische-reformierte Kirchenbezirke gibt es in meiner Heimat Rumänien: Siebenbürgen und Királyhágómellék. Ich bin im Kirchenbezirk Siebenbürgen als Tochter eines Pfarrers aufgewachsen. Sie müssen wissen, dass die Mehrheit der Bevölkerung in Rumänien der othodoxen Kirche angehört, und die Mehrheit der ungarischen Minderheit – im Gegensatz zu mir – der römischkatholischen Kirche. Anders als die deutsche Minderheit, die Siebenbürger Sachsen, welche evangelisch-lutherisch sind.

In unserer ungarisch-reformierte Kirche liegt die Leitung nicht bei Einzelpersonen, sondern bei einem auf Zeit gewählten Gremium, bestehend aus unter anderem zwei Bischöfen. Als allgemein gültige Bekenntnisschrift gilt der Heidelberger Chatechismus und das II. Helvetische Bekenntnis. Ich habe in Cluj, am protestantischen theologischen Institut, mein Pfarramtsstudium absolviert. Frauen sind dort nur in Ausnahmefällen und bei einem Nachweis der außerordentlichen Eignung zugelassen. Dies hatte zur Folge, dass ich auch an der Uni wieder einer Minderheit angehörte: der der Frauen. Anders war die Situation in meiner Familie: ich habe vier Schwestern und einen Bruder. Somit musste ich wenigstens an diesem entscheidenden Ort sozialer Prägung nicht unter dem Minderheitsgefühl leiden.

Wie bin in Basel gelandet? Während meines Studiums durfte ich einige Auslands-Semester in Heidelberg verbringen, wo ich meine deutschen Sprachkenntnisse erweiterte und auch feststellen durfte, dass mir der Kulturkreis gefällt. Da meine Interessensschwerpunkte während des Studiums im Bereich der systematischen Theologie lagen und ich mich schon früh im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit engagierte, entschloss ich mich nach Abschluss des Studiums, ein Vikariat in

Rupea/Kőhalom anzutreten. Die Kirch-Gemeinde dort betreibt ein Internat für Kinder und

Jugendliche mit sozialschwachem Hintergrund. Viele der Kinder dort sind deutschsprachig. Nach dem Vikariatsjahr bin ich in dieser Gemeinde als Hilfspfarrerin geblieben. In dieser prägenden Zeit beschäftigten mich immer wieder Fragen, die auch Jan Millich Lochmann umtrieben: Wie beeinflussen soziale Grundlagen unsere Theologie? Und: Welche Pflichten müssen wir wahrnehmen? Meine Kirche in Siebenbürgen leistet einen bedeutenden Beitrag dazu, ihre Notleidenden, Armen, Heimatlosen und Einsamen aufzufangen. Staatliche Hilfswerke gibt es nur sehr wenige.  Besondern berührt hat mich ein Zitat von Lochmann, das ich in seinem „Sinn der Feste” las:

Gott, dem nichts Menschliches fremd ist, will, dass  wir auf unserer gefährdeten Erde zu solidarischen Mitmenschen  und Mitgeschöpfen werden; Gott, der inmitten der entfremdeten Welt und der heimatlos gewordenen Menschheit versöhnend neue Heimat setzt, ruft auch uns zum Dienst der Versöhnung, zum beharrlichen  Ausbau der neuen Heimat für heimatlose von nah und fern.“

Der Gedanke, dass es unsere Aufgabe ist, durch Gottes Versöhnung Heimat zu stiften, entspricht meiner Sehnsucht, geschädigten und süchtigen jungen oder alten Mitmenschen durch seelsorgerliche Zuwendung eine solche Heimat aufzuzeigen. Die mir geschenkte Zeit hier in Basel verwende ich darauf, meine Forschungen in diesen Bereichen fortzusetzen. Ich schätze es als hohes Privileg, in dieser Stadt von kulturellem Weltrang zu leben, eine Universität mit ausgezeichnetem Ruf zu besuchen, in einem wunderschönen Haus für umsonst zu wohnen und dabei eine fürsorgliche Betreuung und Beratung durch das Pfarrehepaar zu genießen. Ich erlebe das gemeinsame Wohnen in der Meierhof-WG als intelektuelle, kulturelle, theologische und zwischenmenschliche Bereicherung. Der Dialog miteinander, bei dem auch gewisse Unterschiede zum Schein kommen, berstärkt uns darin, dass das, was uns verbindet, stärker als das ist, was uns trennt. Es ist eine sehr gesegnete Zeit, wenn wir gemeinsam unsere frühe Morgenandacht halten, im Abendgebet oder den Hausabenden zusammenkommen oder einfach in der Küche plaudern.

 Nun möchte ich meine Rede mit einem Wort aus dem Ephesärbrief beschließen, als eine Fremde, die hier doch ein Zuhause gefunden hat: So seid ihr nicht länger Fremde und Heimatlose; ihr gehört jetzt als Bürger zum Volk Gottes, ja sogar zu seiner Familie.  Als Gemeinde von Jesus Christus steht ihr auf dem Fundament der Apostel und Propheten. Doch der Grundstein, der dieses Gebäude trägt und zusammenhält, ist Jesus Christus selbst.  Durch ihn sind die Bauteile untereinander fest verbunden und wachsen zu einem Tempel des Herrn heran. Weil ihr zu Christus gehört, seid auch ihr ein Teil dieses Baus, in dem Gott durch seinen Geist wohnt.”

Gott segne uns alle! Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!